Professor Unrath

aufgeführt am 13.2. & 14.2.2012

Am Ende applaudierte das Publikum minutenlang: Der verdiente Lohn für eine großartige Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch von Theaterlehrerin Ursula Glass, die mit „Professor Unrat“ Mitte Februar ihr letztes Stück am KvFG auf die Bühne brachte. Grundlage für zwei beeindruckende Theaterabende war die von Frau Glass für eine Aufführung perfekt gekürzte und veränderte Textvorlage von Heinrich Mann aus dem Jahr 1904. Die Bläserklasse 7 eröffnet den Abend und versetzt die Zuschauer durch die gespielte Marschmusik sogleich ins wilhelminische Zeitalter. Im Mittelpunkt steht der autoritäre Gymnasiallehrer Raat, der von seinen Schülern verunglimpfend „Professor Unrat“ genannt wird. Mit dieser „Respektlosigkeit“ kann er aber überhaupt nicht umgehen. Er nutzt seinerseits die ihm durch seinen Status verliehene Macht, um seine Schüler zu quälen. Doch er ist unfähig, seine Gefühle zu äußern. Beat Seemann (Jg. 2) verkörpert die Gefühlszerrissenheit von „Professor Unrat“ und lässt sie auf der Bühne lebendig werden. Während von außen Bürger, die auch mal in die Schülerrolle schlüpfen (zehn Siebt- und Achtklässler), das Geschehen diskutieren, werden Unrats widerstreitende innere Prozesse im Lauf des Stücks durch ihm an die Seite gestellte allegorische Figuren konkretisiert, welche ihn begleiten und sein Inneres kommentieren: Boshaftigkeit (Pauline Bernhard, 10c), Rache (Julia Haelke, Jg. 2) und Wut (Kristina Lohbeck, Jg. 2) zielen dabei vor allem in Richtung seiner Gegenspieler, während Angst (Franziska Bock, 10a) und Scheu (Jana Braun, Jg. 1) vor den Gefahren von Raats Handeln warnen und ihm im Fortgang seine im Schulalltag vorhandene Willensstärke abspenstig machen. Getrieben von seinen Schülern und Widersachern Kieselack (Daniel Ruggaber, 8d), von Ertzum (David Bach), aber vor allem Lohmann (Noel Opitz, Jg. 2), seinem stärksten Kontrahenten, sucht Raat Fräulein Rosa Fröhlich (Johanna Pommranz, Jg. 2) im Vergnügungslokal „Der blaue Engel“ auf, wo Mira Guth (Jg. 2) als Wirtin ihre Arbeit tut. Eigentlich will er dort Beweise für Lohmanns Vergehen sammeln, um ihn endlich zu Fall zu bringen. Doch die singende Rosa Fröhlich, die dabei von Anna-Lena Pappelau (Jg. 2) am Klavier begleitet wird, verführt ihn, Raat kann nicht widerstehen, verliebt sich in sie und geht daran endgültig zugrunde. Er verliert alles: Seine Ehre, seine Glaubwürdigkeit, seine Reputation und seinen Beamtenstatus, doch er genießt in Rosas Gegenwart das Vergnügen, welches von Franziska Müller (Jg. 2) versinnbildlicht wird. Schließlich gelingt es aber Lohmann und von Ertzum, dass sich die umworbene Rosa Fröhlich in Unrats Haus mit ihnen einlässt. Als Unrat dies bemerkt, gerät er in einem Eifersuchtsanfall ins Toben, worauf die Verhaftung des verderbten Ehepaars erfolgt und Raat zum übrigen Unrat ins Gefängnis entsorgt wird.
Hinter den Kulissen sorgten die Schüler der Technik- AG von Herrn Hilß in gewohnter Souveränität und Zuverlässigkeit für Beleuchtung und Ton. Hervorzuheben ist die große schauspielerische Leistung aller 22 Akteure, bei der die besonders schwer zu spielenden Rollen des Professor Unrat und der Rosa Fröhlich noch herausragen.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler dankten Frau Glass zum Abschluss des Abends für ihre langjährige Theaterarbeit mit einem selbstgeschriebenen Gedicht, bei dem jeder Darsteller einen Vers vortrug. Sie wird die Theater-AG abgeben und damit auch eine große, aber enorm zeitaufwändige Aufgabe. Nachdem sie nun zahlreiche, immer ganz besondere Schulproduktionen auf die Bühne gebracht hat, werden für sie nun die schauspielerische Grundausbildung der Schüler, das Auswählen und Umschreiben geeigneter Stücke, das Einstudieren der Aufführungen an Wochenenden und in den Ferien, das Gestalten und Organisieren von Kostümen und Requisiten und auch das Proben unter für die Anforderungen des Theaters nicht immer optimalen Bedingungen der Vergangenheit angehören. Eine Ära geht zu Ende. Wir bedanken uns herzlich bei Frau Glass für die geleistete Arbeit und erinnern uns immer gerne an die meisterhaften Darbietungen ihrer Schülerinnen und Schüler auf der Bühne.

Bild im Schwäbischen Tagblatt Text im Schwäbischen Tagblatt

events/archiv/attic/unrat2012.txt · Zuletzt geändert: 2014/04/18 20:04 von Matthias Friederichs
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