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| schulleben:karlvonfrischvortrag:kvf2025 [2025/02/17 10:05] – Matthias Friederichs | schulleben:karlvonfrischvortrag:kvf2025 [2026/02/16 13:04] (aktuell) – [Karl-von-Frisch-Vortrag von Prof. Gestwa am 20.11.2025] Kathrin Locherer |
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| ===== Karl-von-Frisch-Vortrag von Prof. Gestwa am 20.11.2025 ===== | ===== Karl-von-Frisch-Vortrag von Prof. Gestwa am 20.11.2025 ===== |
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| | Im Karl-von-Frisch-Vortrag erläuterte Herr Professor Dr. Gestwa, Experte für Osteuropäische Geschichte am historischen Institut in Tübingen, die historischen Grundlagen des russischen Angriffs auf die Ukraine und die Folgen für Europa. Er führte aus, wie Russland historische Narrative gezielt nutzt, um territoriale Ansprüche zu legitimieren und die eigene Bevölkerung zu mobilisieren. Ein zentraler Aspekt ist die Rückbesinnung auf die Kyjiwer Rus, die sowohl von Russland als auch von der Ukraine als Ursprung ihrer nationalen Identitäten betrachtet wird. Während Russland die Kyjiwer Rus als Teil seiner politischen Kontinuität darstellt, betont die Ukraine ihr Erbe als Grundlage für eine eigenständige nationale Geschichte. Putin verwendet diese historische Vereinnahmung, um die Ukraine als „natürlichen Teil Russlands“ darzustellen und seine territorialen Ansprüche zu untermauern. Darüber hinaus wird die Glorifizierung Stalins und die Instrumentalisierung des Zweiten Weltkriegs genutzt, um das nationale Bewusstsein zu stärken und die politische Agenda zu festigen. Herr Gestwa machte deutlich, dass Geschichte und die Auseinandersetzung damit in Russland zunehmend zu einem Instrument der Macht verkommt. Schulbücher, Gedenkveranstaltungen und historische Inszenierungen dienen dazu, ein geschlossenes nationales Narrativ zu vermitteln und die Bevölkerung auf einen imperialen Kurs einzuschwören. Kritik an dieser Geschichtsauslegung wird unterdrückt, Organisationen wie die russische Menschenrechtsorganisation Memorial, die 2022 noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, werden verboten, zivilgesellschaftliche Strukturen insgesamt stark eingeschränkt. |
| | {{ :schulleben:karlvonfrischvortrag:30._karl_von_frisch_vortrag.png?direct&400 |Vortrag Karl-Von Frisch-Tag 2026}} |
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| | Gleichzeitig beleuchtete der Vortrag die lange und komplexe Geschichte der Ukraine, die von Fremdherrschaft, Freiheitsbestrebungen und ambivalenter Erinnerungskultur geprägt ist. Vom Hetmanat über die Kosakenbewegungen bis hin zum Widerstand gegen die Sowjetmacht entwickelte die Ukraine ein starkes Bewusstsein für Selbstbestimmung. Herr Gestwa machte deutlich, dass der Wunsch der Ukraine nach Freiheit heute als legitimes Streben nach Unabhängigkeit und Demokratie zu verstehen ist. Die Ukraine ist ein Land mit eigener kultureller Identität, das sich historischen Manipulationen und Desinformationen widersetzt. Historische Mythen, die Russland für seine politischen Ziele instrumentalisiert, können nur durch fundiertes Wissen über die ukrainische Geschichte entkräftet werden. Herr Gestwa wies im Vortrag darauf hin, dass die internationale Wahrnehmung und Solidarität eine wichtige Rolle spielen, um den Krieg nicht auf falsche Narrative zu reduzieren. Lehren für Europa und die Gegenwart Der Vortrag machte deutlich, dass die Instrumentalisierung von Geschichte weitreichende politische Folgen hat. Russland betrachtet die Ukraine eben nicht als Nachbarstaat, sondern als integralen Teil eines imperialen Anspruchs, was sich in der Annexion der Krim 2014 und dem heutigen Krieg |
| | manifestiert. Gleichzeitig wird die internationale Gemeinschaft herausgefordert, historische Mythen kritisch zu hinterfragen und demokratische Werte zu verteidigen. Abschließend betonte Herr Gestwa, dass historisches Wissen und kritische Solidarität |
| | entscheidend sind, um Desinformation zu erkennen und den Krieg in der Ukraine sowie seine Folgen für Europa einordnen zu können. Er schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass es wichtig sei, die Ukraine nicht nur als Schauplatz geopolitischer Interessen zu sehen, sondern alsLand mit eigenständiger Geschichte und lebendiger Zivilgesellschaft, deren Kampf für |
| | Freiheit und Demokratie unterstützt werden sollte.{{ :schulleben:karlvonfrischvortrag:praesentation.jpg?direct&400 |}} |
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