An­de­re Gast­schü­le­rIn­nen

Un­ab­hän­gig von re­gel­mä­ß­i­gen Aus­tausch­pro­gram­men mit Part­ner­schu­len gibt es im­mer wie­der Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus ver­schie­dens­ten Län­dern, die ei­ne län­ge­re Zeit am KvFG blei­ben.

Ar­ti­kel: "Dö­ner Ke­bab ist der Hit"

(aus dem Reut­lin­ger Ge­ne­ral­an­zei­ger vom 9.11.2002)

Vier Gast­schü­ler aus Ko­lum­bi­en, Un­garn und den USA ler­nen am Karl-von-Frisch-Gym­na­si­um

von Pe­t­ra Sc­hö­bet

Austauschschüler Go­ma­rin­gen/Neh­ren. (GEA) Beim Stich­wort »Dö­ner Ke­bab« läuft al­len vie­ren das Was­ser im Mund zu­sam­men. Die­se tür­ki­sche Form von Fast Food ha­ben Ma­ria Ca­mi­la, An­to­nio, Ge­or­gi­na und Ni­cho­las sehr sch­nell ganz nach oben auf die Hit­lis­te ih­rer Lie­b­lings­spei­sen ge­s­tellt. Da­von ab­ge­se­hen ha­ben die vier Gast­schü­ler am Karl-von-Frisch-Gym­na­si­um sehr un­ter­schied­li­che An­sich­ten dar­über, wie sich das Le­ben in Deut­sch­land von dem in Ko­lum­bi­en, Un­garn und den USA un­ter­schei­det.

»Als ich hier­her kam, war ich zu­erst scho­ckiert dar­über, dass man hier kei­ne ar­men Men­schen in den Stra­ßen sieht«, sagt Ma­ria Ca­mi­la Mo­ra. Die 16-Jäh­ri­ge kommt aus Bo­go­ta, der Haupt­stadt Ko­lum­bi­ens, und be­sucht ge­mein­sam mit An­to­nio El­cu­re die elf­te Klas­se des Gym­na­si­ums. »Bo­go­ta hat acht Mil­lio­nen Ein­woh­ner«, sagt An­to­nio, »hier da­ge­gen ist al­les so klein.« Doch an das Le­ben auf dem Dorf - bei­de woh­nen bei Gast­fa­mi­li­en in Neh­ren - hat er sich sch­nell ge­wöhnt. »Es gibt viel fri­sche Luft und man kann in den Wald ge­hen«, hebt der 15-Jäh­ri­ge her­vor.

»In Ko­lum­bi­en ist es ein bis­schen ge­fähr­li­cher, auf die Stra­ße zu ge­hen, ins­be­son­de­re nachts«, be­rich­tet Ma­ria Ca­mi­la. Al­ler­dings fühlt sie sich hier den­noch ein­ge­schränkt. »Zu­hau­se ha­be ich mehr Frei­hei­ten; aber hier kann ich mehr Sa­chen ma­chen, oh­ne Angst vor Ge­walt zu ha­ben.«

Sehr zu­frie­den sind die bei­den mit dem Schulall­tag am Karl-von-Frisch-Gym­na­si­um. Am Co­le­gio An­di­no, das sie in Bo­go­ta be­su­chen, be­ginnt der Un­ter­richt um 7.20 Uhr. Für Ma­ria Ca­mi­la, die mehr als ei­ne Stun­de mit dem Bus zur Schu­le fah­ren muss, heißt das: mor­gens um fünf Uhr auf­ste­hen. Dann ha­ben sie neun Stun­den Un­ter­richt, je­den Tag. »Von halb eins bis halb zwei ist Mit­tags­pau­se« er­klärt An­to­nio. Hier ge­nießt er es, mehr Frei­zeit und mehr Zeit für Freun­de zu ha­ben.

Ge­or­gi­ne Bo­kor war schon mehr­mals in Deut­sch­land, be­vor sie sich für den ein­jäh­ri­gen Au­f­ent­halt an ei­ner deut­schen Schu­le ent­schied. Die 17-Jäh­ri­ge kommt aus Ba­ja, ei­ner Stadt ganz im Sü­den Un­garns. Dort be­sucht sie das un­ga­risch-deut­sche Bil­dungs­zen­trum: »Hier sind al­le sehr lo­cker an der Schu­le«, hat sie sch­nell po­si­tiv wahr­ge­nom­men. »In Un­garn müs­sen al­le auf­ste­hen, wenn der Leh­rer in die Klas­se kommt«, be­rich­tet sie und fügt la­chend hin­zu, dass sie das hier zu An­fang auch ge­macht hät­te, sehr zum Amü­se­ment ih­rer Mit­schü­ler in der zehn­ten Klas­se. Mit den An­for­de­run­gen des Un­ter­richts hat sie kaum Pro­b­le­me. »Ma­the ist hier kin­der­leicht«, sagt sie. Ein­zig für Bio­lo­gie und Phy­sik muss sie pau­ken.

Au­ßer­halb der Schu­le kann sie sich ganz ih­rem Hob­by, der Mu­sik, zu­wen­den. »Ich ha­be an­ge­fan­gen, Kla­vier zu ler­nen«, er­zählt sie. Kürz­lich wirk­te sie, die in Un­garn be­reits ge­mein­sam mit ei­ner Freun­din im Ge­sangs­duo auf­tritt, in dem Mu­si­cal »Mar®yland« mit, das von der Stoc­k­a­cher Mu­si­ker­fa­mi­lie Schnit­ter ins­ze­niert wur­de und un­ter an­de­rem in Heil­b­ronn und Sie­gen auf­ge­führt wur­de. Da­bei hat auch Mu­sik-Freak Ni­cho­las Har­den­berg mit­ge­macht, der aus der Nähe von Buf­fa­lo im ame­ri­ka­ni­schen Bun­des­staat New York nach Go­ma­rin­gen ge­kom­men ist. Im Ge­gen­satz zu den an­de­ren drei Gast­schü­l­ern, die schon meh­re­re Jah­re Deutsch ge­lernt ha­ben, be­herrsch­te Ni­cho­las die Spra­che über­haupt nicht. Für ihn be­gann der Au­f­ent­halt da­her mit ei­nem vier­wöchi­gen Deutsch-In­ten­siv­kurs. Jetzt kann er zwar schon ganz gut mit­re­den. Aber er hat ein Pro­b­lem: »Al­le wol­len mit mir im­mer nur Eng­lisch re­den.« Sei­ne Freun­de und Mit­schü­ler fin­den die Spra­che to­tal »cool«. Der 17-Jäh­ri­ge, der in sei­nem Hei­ma­t­ort die High-School be­reits ab­ge­sch­los­sen hat, ist eben­falls von der lo­cke­ren Um­gangs­wei­se nicht nur an der Schu­le, son­dern auch im Fa­mi­li­en­be­reich über­rascht. Wenn er sich mit Freun­den zum Mu­sik ma­chen oder zum Ska­ten trifft, ge­nießt er es, dass er sich da­für nicht je­des Mal bei den Ga­s­t­el­tern ab­mel­den muss, wie das bei ihm da­heim der Fall wä­re. Im Clinch liegt er al­ler­dings mit dem öf­f­ent­li­chen Nah­ver­kehr. »So et­was gibt es bei uns nicht«, sagt er und be­rich­tet, dass er kürz­lich aus Ver­se­hen in ei­nen fal­schen Bus ge­s­tie­gen ist. Statt zur Schu­le muss­te er nun nach Tü­bin­gen fah­ren. Dort an­ge­kom­men such­te er sich schnur­stracks den kür­zes­ten Weg zum Stein­lach-Wie­saz-Schul­zen­trum und be­wäl­tig­te ihn - zu Fuß. Vol­ker Cars­tens, der Kon­rek­tor des Gym­na­si­ums, pf­legt den Kon­takt zu Aus­tau­sch­or­ga­ni­sa­tio­nen und hat den Au­f­ent­halt für die Schü­ler aus dem Aus­land ar­ran­giert. »Es be­rei­chert un­se­re Schu­le un­ge­mein, wenn mög­lichst vie­le Schü­ler aus an­de­ren Län­dern kom­men«, be­tont er. Im Ja­nuar er­war­tet er noch zwei wei­te­re Gast­schü­ler aus Aus­tra­li­en.

austausch/sonstige/start.txt · Zuletzt geändert: 2013/02/24 15:29 von Matthias Friederichs
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